Wenn ich jemanden mit einer Location beeindrucken will, es punkto Essen und Getränke top Qualität sein muss, aber die Atmosphäre trotzdem sehr entspannt, schlage ich das Les Wagons vor.
Eine Kollegin ist von der Stadt Zürich nach Dorf im Weinland gezogen, und zum Apero trafen wir uns im Les Wagons. „Die Uetlibergbahn von 1923 bietet als Bistro und Bar allen Platz, die das Schöne geniessen, das Feine schätzen und das Charmante lieben“. Ihr Slogan bringt es auf den Punkt!
Nirgendwo kommt mir als Flexitarierin (quasi Teilzeit-Vegi) die Speisekarte so entgegen wie hier. Es gibt nicht diese starre Grenze zwischen „hier das riesige Stück Fleisch“ und hier der (meist erst noch lieblose) Salat.
Die Karte ist sehr klein, aber ich konnte mich immer für etwas begeistern. An diesem Abend einen grossen Salatteller mit überbackenem Ziegenkäse – und man höre und staune Blumenblüten (s. Foto).

Besser als mit Blumenblüten kann nicht beweisen, dass einem Saisonales und Regionales wirklich am Herzen liegt.
Während fast alle anderen Restaurants beim Grosshändler (TopCC, CCA wie sie als heisen) einkaufen, sind die Lieferant:innen in der Speisekarte aufgeführt. Das Mehl für das köstliche selbst gemachte Brot stammt von Stadtland Winti, das Fleisch und die Eier vom Biohof aus Agasul (neben Effretikon), das Rindfleisch von Bio Böhler Mellikon (AG). Der Kaffee stammt aus der Kaffeerösterei Henauer (seit 1896 in Winterthur).
Wenn sie nicht direkt auf dem Winterthurer Wochenmarkt einkaufen, kommt das Gemüse vom Bio-Lieferanten Pico Bio aus Zürich.
VIel Herzblut – doch was ist der „Lohn“?
Lohnt es sich, derart viel Herzblut in so ein kleines Bistro zu stecken? Die Extrameile zu gehen? Floh und Anja sind Angefressene. Aber manchmal zeigt es sich im unerwarteten Moment, dass es sich für sie lohnt.
Während der Pandemie mussten sie wie alle andere auch schliessen. Das Geld wurde knapp. Sie gleisten ein Crowdfunding auf und hofften auf einen Überbrückungsgeld“Kredit“. Würden die ehemaligen Gäste einen buchstäblichen Vertrauensvorschuss leisten? Innert wenigen Stunden bekamen sie eine positive Antwort. Sie schreiben auf ihrer Website

Wir sind unfassbar überwältigt. In nur ziemlich genau 48 Stunden haben wir unser Spendenziel erreicht und sind auf dem Uetliberg angekommen. Nun befinden wir uns quasi schon auf der Spitze des Aussichtsturms, direkt im 7. Himmel. Es muss nicht mehr weiter nach oben. Deshalb ist das Crowdfunding beendet. Wir sind unendlich dankbar, dass das les Wagons von unseren Gästen, Freunden und Familien so getragen wird und dass ihr an uns glaubt. 60’000 mal DANKE!
Anja & Floh
Die Spendenstrecke: Der Fortschritt des Spendenerfolgs visualisierten sie mit der ursprünglichen Strecke der Uetlibergbahn. Ziel des Crowdfunding war es, 40’000.-zu erreichen.